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Raul Hilberg und die Spuren der Shoah: Hommage an den Pionier der Holocaust-Forschung

Gespräch mit Dr. René Schlott, Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam

Er floh 1939 als kleiner Junge vor den Nazis über den Atlantik, er war bei der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau 1945 als US-Soldat vor Ort dabei, er sichtete gleich nach dem Fall des Dritten Reichs Hitlers Privatbibliothek in der Münchner Parteizentrale – und er schrieb das gewaltige Buch, ohne das die heutige Holocaust-Forschung absolut undenkbar wäre: Raul Hilbergs tausendvierhundertseitiges Opus magnum Die Vernichtung der europäischen Juden gilt heute als Standardwerk zum Thema schlechthin. Mit seinen extrem akribischen Archivrecherchen über die exakte Umsetzung des Menschheitsverbrechens der Shoah wurde Hilberg zum Pionier der Historikerzunft – doch lange kämpfte er vergeblich um Gehör, und zwar gerade im Land der Täter. Dr. René Schlott, Assoziierter Wissenschaftler am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam, arbeitet an der ersten großen Biografie des fast vergessenen Giganten der Aufarbeitung deutscher Nazi-Gräuel und schrieb das Vorwort zur Neuausgabe von Die Vernichtung der europäischen Juden (S. Fischer, 2024). Er schildert an diesem Hommage-Abend vor dem jährlichen Gedenktag der Befreiung von Auschwitz Hilbergs Ringen mit der historischen Sichtung der Shoah, seinen manchmal verzweifelten Aufstand gegen die Verdrängung und seinen Ruhm in den 1980er Jahren – drei Jahrzehnte, nachdem das Buch seines Lebens, an dem er lebenslang weiterschrieb, erstmals vorlag. Schlott rekonstruiert ein dramatisches Kapitel Wissenschaftsgeschichte – und eine heroische Existenz ganz und gar für die Sache.

Anmeldung hier.
Eintritt: €5 / frei (CSH-Mitglieder)
Veranstaltungssprache: Deutsch
In Kooperation mit dem Dokumentationszentrum Nationalsozialismus Freiburg

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Beginn:
Do, 25.Jan.2024 um 19:00