U.S. Elections 2020

Einen solchen Urnengang hat Amerika noch nicht erlebt: Die wohl „wichtigste Wahl unseres Lebens“, wie beide Lager zu betonen nicht müde werden, und auch eine, die den politischen Kurs der Weltmacht womöglich für eine Generation bestimmen könnte. Amtsinhaber Donald Trump will sich als triumphaler Sieger über das Virus und knallharter Verfechter von Recht und Ordnung auf den Straßen in Szene setzen – und stachelt dazu auch gezielt Ressentiments gegen Minderheiten an. Herausforderer Joe Biden bietet eine Rückkehr zum Regieren mit ruhiger Hand an, die mit Fachverstand und Expertenwissen gegen Seuche und systemischen Rassismus vorgeht – und der tief gespaltenen, verunsicherten Bevölkerung Trost und Vertrauen vermittelt. Wohin steuert die vormalige Hüterin des Westens – und wie wird der Wahltag an sich unter völlig ungekannten Bedingungen, mit akuter Ansteckungsgefahr im Wahllokal und Abermillionen Briefwähler*innen im Vertrauen auf einen heillos unterfinanzierten Postdienst überhaupt aussehen? Die in mehrfacher Hinsicht herrschende amerikanische Ausnahmesituation vor dem Wahltermin dient dem Carl-Schurz-Haus als Anlass, in der Veranstaltungsreihe Pandemie und Protest: Die USA im Wahljahr 2020 vielstimmig eine jetzt schon historische Richtungsentscheidung in der amerikanischen Geschichte in den Blick zu nehmen – und dabei auch verschiedentlich Brückenschläge zwischen den zwei hauptsächlichen Krisen in der derzeitigen US-Gesellschaft zu probieren: Der Ausbruch der Corona-Pandemie traf auf einen stark geschwächten Staat, ein marodes Gesundheitssystem und einen zunehmend krisenanfälligen Kapitalismus. Der Ausbruch massenhafter Proteste gegen Polizeigewalt in Hunderten von Städten im ganzen Land seit dem Mord an George Floyd traf auf eine politische und populäre Kultur, die sich noch immer nicht gründlich genug mit dem blutigen, brutalen Erbe der Sklaverei auseinandergesetzt hat. Steht Amerika endgültig am Abgrund – oder findet es seinen Weg zurück auf festeren Boden?