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  Lesung

Red Pill & The Dangers of Everyday Dystopia

© Clayton Cubitt

Lesung und Gespräch mit Hari Kunzru, New York City | Im Rahmen der Reihe "Transatlantic Tuesday"

Der Schöpfer des Roman-Superhits White Tears liefert eine genialische Geschichte über die verzweifelte Suche nach Ordnung in einer Welt, die sich den Wahnsinn zur neuen Wahrheit erklärt – und in „alternativen Fakten“ untergeht. Berlin, 2016: Für ein prestigeträchtiges Schreibstipendium am renommierten Deuter-Zentrum kommt der Erzähler in Hari Kunzrus Red Pill – ein eher mittelmäßiger amerikanischer Schriftsteller – in den Vorort Wannsee und müht sich, in der klaustrophobischen, kafkaesken Atmosphäre der in einer Villa untergebrachten Denkfabrik überhaupt etwas zu erreichen. Anstatt an seinem Buch zu arbeiten, unternimmt er lange Spaziergänge um den See und verschlingt ganze Staffeln der Fernsehserie Blue Lives – ein extrem brutales, erschreckend prinzipienloses Polizeidrama, das ihm in seinem düsteren, darwinistischen Weltverständnis plötzlich eigenartig überzeugend erscheint. Wannsee ist ein Ort voller Geister: Am gegenüberliegenden Seeufer sieht der Erzähler eine andere Villa – die, in der die Nazis die „Endlösung“ planten. Auf seinen Spaziergängen fällt ihm das Grab Heinrich von Kleists auf, der sich einst dort erschoss, weil ihm „auf Erden nicht zu helfen war“. Flüchtlingsfamilien, die alles verloren haben, streifen wie Gespenster der Moderne durch die nahen Wälder. Als ein Kollege am Deuter-Zentrum ihn mit auf eine schicke Party in Berlin nimmt, auf der er ausgerechnet Anton, dem dämonischen Schöpfer von Blue Lives, begegnet, beginnt der Erzähler zu glauben, dass beide Männer in einen kosmischen Endkampf verwickelt sind, den schon die nordischen Mythen vorhersagten. Anton verabreicht dem halt- und hoffnungslosen Amerikaner die sprichwörtliche „Rote Pille“, wie es in den Matrix-Filmen heißt – und zieht ihn hinab in die schwelende Unterwelt der Alt Right-Bewegung, die sich in Internetforen an finsteren Verschwörungstheorien labt. Verliert der Erzähler langsam seinen Verstand – oder doch gleich die halbe Menschheit? Alles endet am Tag der US-Wahl 2016… Hari Kunzru schrieb u.a. für die New York Times und den New Yorker. Er erhielt Stipendien der Guggenheim Foundation, der New York Public Library und der American Academy in Berlin. Seine fünf Romane wurden in 21 Sprachen übersetzt. Er lebt in Brooklyn, New York.

Anmeldung via Zoom hier.
Empfohlener Unkostenbeitrag: 5€
Veranstaltungssprache: Englisch


Veranstalter:
Veranstaltungsort:
online
Beginn:
Di, 13.Apr.2021 um 19:00