Carl & Company: Der transatlantische Podcast des Carl-Schurz-Hauses

„Carl & Company“ – das ist der transatlantische Podcast des Carl-Schurz-Hauses, Insidern auch bekannt als das Deutsch-Amerikanische Institut in Freiburg. Alle paar Wochen packen wir hier zwei Gespräche zu einem gemeinsamen Thema in eine pralle Folge: Eins mit einem amerikanischen Autor oder einer Autorin, einem Experten oder einer Expertin aus den USA oder auch einer Künstlerin oder einem Künstler von der anderen Seite des großen Teichs. Wir laden ein, mit wem wir schon immer einmal über „Pod und die Welt“ sprechen wollten, und probieren einen Rundumschlag. Das andere mit einer spannenden, schlagfertigen Person vor Ort, die dazu Stellung bezieht, eigene Eindrücke mitbringt und mit Moderator René Freudenthal thematisch den „Sack zuschnürt“, wie man so schön schnöde sagt. Transatlantisch, transzendental, tragikomisch und ab und an vielleicht auch mal tanzbar – so sollen die Gespräche von „Carl & Company“ sein.


Episode 5: Irlands größter Schriftsteller der Gegenwart Colm Tóibín & „The Magician“ Thomas Mann in Amerika

Deutschlands „königliche Familie“ nannte Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki die Manns einmal. Zu den „Windsors der Deutschen“ erhob der Spiegel den Nobelpreisträger-Clan um den aristokratisch anmutenden Patriarchen Thomas, der tagtäglich, egal was die bewegte Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts so vorhatte, an seinem Schreibtisch saß und seine international bald millionenfach verkauften Bücher schrieb. Tony und Hanno Buddenbrook, Gustav von Aschenbach, Hans Castorp, Zeitblom und Leverkühn oder Felix Krull verdanken wir einem Leben im Arbeitszimmer, das weder für anteilige Kindererziehung noch für ernstliche außereheliche Interessen an betörenden jungen Männern viel Platz ließ. Dennoch ist die Geschichte von Thomas Mann eine, die uns aus der Kaiserzeit bis in die Nachkriegsrepublik führt – und eine äußerst transatlantische noch dazu. Um den neben Einstein berühmtesten Flüchtling vor den Nazis, der in seiner heute von der Bundesregierung in eine Stiftung umgewandelten modernistischen Villa hoch über Los Angeles dem Sturz Hitlers entgegensehnte, und seine einmalig exzentrische Familie geht es im Gespräch mit einem ebenfalls weltberühmten Autor: Colm Tóibín gewann für Bücher wie The Master, Brooklyn, The Testament of Mary oder Nora Webster bereits den International Dublin Literary Award, den Preis für die Los Angeles Times Novel of the Year, den Lambda Literary Award, den Holbrooke Award des Dayton Literary Peace Prize oder den Bob Hughes Lifetime Achievement Award. Toíbín stand dreimal auf der Shortlist für den Booker Prize und gilt selbst als Finalist für den Literaturnobelpreis. Er ist Sidney B. Silverman Professor of the Humanities an der New Yorker Columbia University. Sein druckfrischer Roman The Magician (Der Zauberer) erzählt das unglaubliche Leben des verschlossenen Lübeckers Thomas Mann, der in den USA der 1940er Jahre zum Superstar avancierte und dem Berliner Terrorregime sein „Wo ich bin, ist Deutschland“ entgegenschleuderte. Mit Bettina Schulte, der führenden Literaturkritikerin der Badischen Zeitung, spüren wir dann dem nach, was die Deutschen selbst heute über die Manns denken.

Shownotes:

The Magician by Colm Tóibín

Moderation & Redation: René Freudenthal

Produktion & Mitarbeit: Hanna Langreder

Original-Logo zum Podcast: Simon Krause

Original-Musik: Edward Fernbach


Episode 4: Essayist Daniel Mendelsohn & was die klassische Antike den modernen Krisenzeiten zu sagen hat

In den Jahren von Trump und Brexit bis Corona-Krise und Klimakatastrophe haben sich viele vom chaotischen Zeitgeschehen und den sich türmenden, fast unlösbar scheinenden Herausforderungen der Zukunft schwer gestresste Menschen geistig auf ganz andere Zeiten zurückgezogen: Die Beschäftigung mit antiken Stoffen und Themen boomt, die alten Griechen und Römer sind beispielsweise zum Sujet von millionenfach heruntergeladenen Podcasts geworden, neue extrem populäre Bestsellerbücher vermitteln von frischen feministischen Lesarten der klassischen hellenischen Mythen bis hin zu neuen Thesen über den Untergang des Römischen Reiches – Spoiler Alert: Klimawandel! – das komplexe Erbe dieser Ahnen der europäischen Zivilisation auch einer jungen Generation, die sich nicht mit der angestaubten Pädagogik aus dem Lateinunterricht begnügen muss. Mit dem promovierten Altphilologen, Bestseller-Autor, Autor beim „New Yorker“ und Mitglied der Chefredaktion des „New York Review of Books“, Daniel Mendelsohn, haben wir den Mann zu Gast, der sich wie kein Zweiter darauf versteht, in brillanten Essays die uns oft so fern und verloren scheinende Antike mit einem Ruck relevant für die Gegenwart zu machen – „From the Greeks to Game of Thrones“ ist denn auch seine neueste Essaysammlung untertitelt. Mendelsohn gewann rund 20 Preise für seine Bücher, darunter für sein Memoir „An Odyssey: A Father, a Son, and an Epic“, aus dem er als unser Gast 2019 in der Archäologischen Sammlung Freiburg las. Deren Kurator, der Honorarprofessor für Klassische Archäologie an der Uni Freiburg und Veteran langjähriger Pompeji-Ausgrabungen, Jens-Arne Dickmann, bestreitet den zweiten Teil dieser vierten Folge von „Carl & Company“. Wir erkunden mit beiden Experten, warum die Antike für uns moderne Nachgeborene immer noch topaktuell ist – und wieso ihre Kultur uns mehr denn je fasziniert.

Shownotes:

"Ecstasy and Terror: From The Greeks to Game of Thrones" by Daniel Mendelsohn

"The Names" by Don DeLillo

"Pandora's Jar" by Natalie Haynes

"The Women of Troy" by Pat Barker

"Circe" by Madeline Miller

"Kassandra" by Christa Wolf

Fall of Civilizations Podcast

Moderation & Redaktion: René Freudenthal

Produktion & Mitarbeit: Hanna Langreder

Original-Logo zum Podcast: Simon Krause

Original-Musik zum Podcast: Edward Fernbach


Episode 3: 16 Jahre Merkel: Schicksalsjahre einer Kanzlerin

Im Gespräch mit der US-Journalistin Deborah Cole und der CDU-Stadtratsfraktionsvorsitzenden Dr. Carolin Jenkner

Vom blassen „Mädchen“ von Kanzler Kohl zur unschlagbaren „Mutti“ der Nation in Hosenanzügen jeglicher Couleur. Von der unterschätzten „Trümmerfrau“ der Spendenskandal-Zeit zur mächtigen Matriarchin und Meisterin aller Krisen, die eine eigene Epoche prägte: Viele junge Deutsche kennen keine andere Person im Bundeskanzleramt als Angela Merkel, die 16 Jahre lang das schwerleibige Schiff der Berliner Republik durch zunehmend stürmische politische Gewässer steuerte. Viele dauerndes Polit-Drama gewöhnte Amerikanerinnen und Amerikaner, die in den „Merkeljahren“ selbst volle vier Präsidenten verschlissen haben, konnten sich keinen rechten Reim auf die nüchterne, fleißige Frau aus dem Osten mit ihrem knochentrockenen Rede- und Regierungsstil machen. Mit US-Journalistin Deborah Cole, die seit Mitte der 1990er Jahre als Auslandskorrespondentin erst für Reuters und jetzt für die Agentur AFP über das „Raumschiff“ Berlin berichtet und auf Twitter als „Merkel Watcher“ regelmäßig viral ging, blicken wir zurück auf anderthalb Dekaden „Merkelcore“ und das, was die erste Kanzlerin als politisches und kulturelles Phänomen ausmachte: Kartoffelsuppe und Richard Wagner, „Physikerin der Macht“ und milde, mittige „One-Woman-Groko“, so verlässlich in ihrer Außenwirkung wie versöhnlich im Ton. Abermillionen Wählerinnen und Wähler hätten „Angie“ – die so betitelte Rolling-Stones-Ballade war stets ihr Soundtrack bei Wahlkampf-Auftritten – wohl auch noch eine fünfte Amtszeit verschafft, aber die CDU-Legende, der andere fehlende Visionen und „Fahrt auf Sicht“ vorwarfen, tritt aus freien Stücken ab. Mit Dr. Carolin Jenkner, seit 2014 Stadträtin und kulturpolitische Sprecherin, seit 2018 Fraktionsvorsitzende der CDU-Stadtratsfraktion und seit 2019 Beisitzerin im Vorstand des CDU-Kreisverbands Freiburg, sichten wir Merkels Erbe und ihren Einfluss auch auf den weiblichen Polit-Nachwuchs.

Moderation & Redaktion: René Freudenthal

Produktion & Mitarbeit: Hanna Langreder

Original-Logo zum Podcast: Simon Krause

Original-Musik zum Podcast: Edward Fernbach


Episode 2: Bestseller-Autor Christopher Castellani & die deutsch-amerikanische Sehnsucht nach dem Sommer Italiens

Goethe zog es ins „Land, wo die Zitronen blüh’n, Freud sehnte sich sein Leben lang stets nach dem nächsten Rom-Urlaub und US-Filmstars wie Liz Taylor, Humphrey Bogart oder Rita Hayworth aus dem klassischen Hollywood-Kino der 1950er Jahre machten das malerische ligurische Fischerdorf Portofino zur glamourösen Kulisse der Jetset-Sommerfrische. Das deutet schon an: Die Sehnsucht nach dem sonnigen „Bella Italia“ und seiner unvergleichlichen Lebensart zwischen Pasta und Piazza ist eine gemeinsame deutsch-amerikanische Eigenheit, die sich beiderseits tief eingeprägt hat. Wie es dazu kam, was das Phänomen mit Migration zu tun hat und welche Erlebnisse man auf Italienreise keinesfalls verpassen darf, besprechen wir mit dem vielfach ausgezeichneten Autor von Leading Men, dem brillanten Roman über Truman Capotes lust- und leidvolle Jahre im an Sinnesfreuden so reichen „Stiefel“: Christopher Castellani ist Sohn italienischer Einwanderer und wuchs (wie Joe Biden) als Arbeiterkind in Wilmington, Delaware auf. Derzeit lebt er in Boston, wo er Künstlerischer Leiter von „Grub Street“ ist, dem größten und führenden unabhängigen Zentrum für Kreatives Schreiben in den USA. Er gewann u.a. den Massachusetts Book Award und ein Guggenheim Fellowship. „Leading Men“ wird aktuell verfilmt, Star-Regisseur Luca Guadagnino („Call Me By Your Name“) leitet die Produktion. Die deutsche Perspektive vertritt Uta-Beate Schroeder, Vizedirektorin und Leiterin des Kursprogramms für Kinder und Jugendliche am Carl-Schurz-Haus, die seit Jahrzehnten mit Leidenschaft zwischen Toskana und Apulien unterwegs ist und selbst in Bostons traditionsbewusstem italienischen Viertel gelebt hat.

Show Notes:

"Leading Men" by Christopher Castellani

"The Neapolitan Novels" by Elena Ferrante

"The Rose Tattoo" / "A Streetcar Named Desire" by Tennessee Williams

"Call Me By Your Name" by Luca Guadagnino (film) / "Call Me By Your Name" by André Aciman (book)

"The Inheritance" by Matthew Lopez

"Die Göttliche Komödie" by Dante Alighieri

"Der Name der Rose" by Umberto Eco

Kurzgeschichten by Italo Calvino

"Tod in Venedig" / "Der Leopard" by Luchino Visconti

"La Strada" by Federico Fellini

"Mamma Roma" by Pier Paolo Pasolini

Moderation & Redaktion: René Freudenthal

Produktion & Mitarbeit: Hanna Langreder

Original-Logo zum Podcast: Simon Krause

Original-Musik zum Podcast: Edward Fernbach


Episode 1: Pulitzer-Finalistin Suzy Hansen & Amerikas Platz in der Welt unter Biden

Für eine Standortbestimmung amerikanischer Außenpolitik nach Joe Bidens Amtsantritt – auf der Suche des Polit-Veteranen nach einer neuen Positionierung der USA auf dem internationalen Parkett, zu ihren Verbündeten und zu ihren Widersachern – kann es kaum eine geeignetere Analystin geben als Suzy Hansen: In ihrem geopolitischen Memoir „Notes On A Foreign Country“ zeigt die Pulitzer-Finalistin und Princeton-Dozentin, wohin die letzten 20 Jahre US-Diplomatie und amerikanischer Sicherheitspolitik geführt haben. Jetzt sieht Hansen in unserem Podcast voraus, was die nächsten vier Jahre bringen könnten. Ihr erstes Buch gewann den „Overseas Press Club’s Cornelius Ryan Award for Best Nonfiction Book on International Affairs“ 2018. Sie schreibt große Reportagen für das „New York Times Magazine“ und arbeitet an einem zweiten Buch über die neuen Ambitionen der Türkei und Syriens Bürgerkrieg.

Shownotes:

"Notes On A Foreign Country" by Suzy Hansen

"Begin Again" by Eddie Glaude

"No Good Men Among the Living" by Anand Gopal

"Tomorrow, the World" by Stephen Wertheim

Host: René Freudenthal

Produktion: Hanna Langreder

Musik: Edward Fernbach


Trailer: Carl & Company - Der transatlantische Podcast